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05. März 2010, 02:15
Mit Leib und Seele Schiedsrichter - Die Story
Schiedsrichterlehrgang an der Sporthochschule Magglingen
Der Schweizerische American Football Verband führte am Wochenende den zweiten Teil des Schiedsrichterlehrgangs für Neueinsteiger durch. Unter der Leitung von Schiri-Obmann Raymond Fouillet und Referee Michel Strähl absolvierten die Kandidaten zwei ereignisreiche und spannende Ausbildungs- tage. Die beiden Referees konnten den Teilnehmern nicht nur lebensnahe selbst erlebte Schiritatsachen erzählen - sie brachten auch in fachkundiger und gekonnter Art "schwer- sten" Regelstoff, locker unter die Neuen!
28.2.2010 Brüttisellen (mk) Mit Leib und Seele Schiedsrichter
Wer den Job des Schiedsrichters – Referee wählt hat es nicht leicht. Zu schnell stehen die Schwarzweissen in der Kritik und müssen herhalten für nachgesagte Fehlentscheide, Bevorteilungen und mehr. Der Referee braucht also eine besonders dicke Haut, Durchsetzungsvermögen und eine laute, kräftige Stimme. Seine Anweisungen müssen klar, deutlich und verständlich sein. Auf der einen Seite sicher eine wundervolle Aufgabe, auf der anderen manchmal ein grosser Frust, wenn man bedenkt, dass bei einem Einsatz knapp die Spesen gedeckt sind. Schiedsrichter sein kann man nur mit Leib und Seele!
- Diese Worte kommen vom höchsten Unparteiischen der Schweiz Schiri-Obmann Raymond Fouillet persönlich. Wenn man ihm bei seinen Ausführungen zuhört, so weiss man, dieser Mann lebt mit Leib und Seele für sein schönstes Freitzeit-Hobby, das Pfeifen. Das schwarz-weiss gestreifte Trikot bedeutet für ihn Ehre und für diese Ehre gibt er sein ganzes Herz, seine Kraft und den Verstand. Zusammen mit seinem Ausbildungspartner Referee Michel Strähl, machte er die zwei Tage in der Magglinger Sport-Hochschule zum totalen Erlebnis, sozusagen zur Faszination der wirklichen Helden der schweizerischen American Footballplätzen.
Referee sein ist schwer – Schwere Entscheidungen treffen noch mehr!
Jeder Schiedsrichter trifft seine Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen. So sollten auch Schiri Entscheide ohne weiteres Murren und Gestulieren und Schnurrieren akzeptiert werden. Dem ist aber gerade auf Schweizer Plätzen noch lange nicht so. So ist manchmal das Verhalten auf heimischen Plätzen geradezu beleidigend. Dabei wird eben meist nicht sachlich sondern überemotional reagiert. Solche Vergehen wieder auf die richtige Rasen- matte zu bringen ist nicht leicht für die Unparteiischen.
Darum sind beim Schiedsrichter nicht nur Fitness gefragt, sondern auch psychologisches geschick, gute Augen (im Rücken meistens auch zwei) und ein rigoroses Durchgreif- und Durchsetzungsvermögen. So stehen die Schiris vor keiner leichten Aufgabe. Die Ausbildung ist wichtig. Nur wer eine solche tadellose Refereeschmiede geniessen kann, ist überhaupt fähig entscheidend einzugreifen und das Spiel ohne grosse Schwierigkeiten zu leiten. „Wer Referee werden will muss das wirklich wollen – es muss für ihn zur neuen Lebensaufgabe werden.“ Ein Referee beginnt mit der D-Lizenz und kann dann weiter die C- B und schlussendlich die A-Lizenz erwerben. Eine stolze Aufgabe. Die neun jungen Schiris sind ausnahmslos ehemalige Footballer und dass ist auch gut so. Zwei weitere sind als Nachwuchscoaches von den Bienna Jets anwesend. Sie durchlaufen ebenfalls den Lehrgang. Gerade Coaches können hier viel lernen meinte Raymond Fouillet. Das Interesse auf dieser Seite ist aber bei den Clubs und Vereinen eher gering.
Wo kein Wille hilft, hilft oftmals das Portemonnaie!
Lieber zahlen die Clubs ein Barbetrag, als fünf interne Schiris ausbilden zu lassen. Fünf Referees muss oder sollte jeder Verein vorweisen können. Im Moment stehen 6 A-Clubs und 6 B-Clubs zu Buche. Als Referees stehen knapp 50 Persönlichkeiten zur Verfügung. Es bleibt also kaum grosser Spielraum bei Krankheit oder Verletzung. Schiedsrichter Boss Fouillet bemägelt auch die Kooperation zwischen den Clubs und der Schiedsrichterkommission. So schön es ist, dass wir ausländische Schiris holen können und auch das Geld von diesen Clubs dazu haben, ist dieses Vorgehen wenig sinnvoll. Wir brauchen dringend mehr Nachwuchs. Die Whitecaps kommen auch in die Jahre und werden in nicht allzulanger Zeit aufhören. Der Durchlauf eines Kandidaten bis zur A-Lizenz dauert auch seine Zeit. Foillet und Strähl meinen dennoch guten Geist in den Clubs zu sehen und sind auch überzeugt, dass die „Nachzügler“ bald den vorbild-lichen Clubs die volles Soll vorweisen können folgen werden. Gute Schiedsrichter sind nämlich das Grundrezept, sozusagen das Lebenselexier für eine gute Liga. Die beiden wissen wovon sie sprechen. Sie wurden beide in Deutschland von der deutschen Schiedsrichter Legende und dem Profilehr- wart von Baden Würtemberg – Thomas Fotsch ausgebildet. Raymond Fouillet wie Michel Strähl besitzen neben einem grossen Fachwissen auch eine lange Footballkarriere.
Zwei handfeste rauhe Typen– Zwei excellente Ausbildungsstrategen
Wie spannend ein Kurs für Einsteiger sein kann, zeigten Reymond Foillet und Michel Strähl. Mit einer frischen handfesten Art bringen sie den Lehrstoff in den Klassen- raum. Sie sprechen die Sprache die nötig ist, um die jungen Anwärter zu überzeugen. Gekonnt jonglieren sie mit den technischen Apperaten, sprechen fliessend über aufgezeigte Probleme bei einem vom NFL Lernvideo dargebotenen Schlüsselszene und fordern gleichzeitig ihre Zuhörer zu Fragen und Antworten auf. Und er sagt es den Anwärtern auch gleich mitten ins Gesicht: „Das Wissen des Regelwerks allein genügt nicht. Ohne die Fähigkeit, die Regeln zu interpretieren und damit korrekt auszuführen kommt keiner aus. Und noch etwas liegt ihm am Herzen und er wiederholt es immer wieder: „ Wer nicht bereit ist, sich selber weiter fortzubilden, der soll sich lieber in einer anderen Art und Weise für den American Football nützlich machen – und nicht als Referee.“ Strähl und Fouillet nehmen kein Blatt vor den Mund sondern sprechen klartext. „ Alle Personen die Football spielen oder mit dem Football irgendwie verbunden sind, sind auch nur Menschen. Sie machen Fehler genau so wie du und ich, sie haben Schwächen und kämpfen mit ihren Gefühlen wie du und ich und darum muss ein Referee immer, selbst in schwierigsten Situationen die Übersicht behalten. Und trotzdem muss er auch mal einen Fehlentscheid auch klar und deutlich zurücknehmen können - auch dass ist menschlich. Jeder Schiedsrichter pfeift bei seinen Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen“ Sollte es trotzdem in der Teamzone zu unschönen Szenen kommen und die Schiris angepöbelt werden oder Spieler das Publikum gegen die Referees aufhetzen so greift er auch hart durch. Ihr habt dabei meine volle Unterstützung.“
Auch machen die beiden Ausbilder die „Neuen“ darauf aufmerksam, das sich das Niveau auf den Schweizer Football Plätzen ständig erhöht und gerade in der kommenden Saison eine respektable Steigerung zu erwarten ist. Und väterlich sagt Raymond Foillet Ihnen zum Schluss, dass jeder eine gewisse Zeit von 5-6 Spielen brauche um überhaupt mit sich und den Regeln und dem Spiel zurecht zu kommen. „Die ersten Einsätze werdet ihr in einem fünfer Team als Lernende zusätzlich teilnehmen. So habt ihr Zeit euch serjös in das Schiri Metie einzuarbeiten. Ich bin stolz, dass gerade ihr den Job des Referees übernehmen wollt.“
Unsere Arbeit ist ein grosser Teil unseres Lebens
„Unsere Arbeit ist ein grosser Teil unseres persönlichen Lebens – Wir sind aus Leib und Seele Referees“ sagt Raymond Foillet. „Wir lieben unsere Arbeit, wir lieben den Spielbetrieb aber auch die Ausbildung. Wir haben einen breiten Rücken und eine Haut die dicker als die eines Elefanten ist. Doch manchmal denkst Du persönlich doch wieso tust du das dir an? Jetzt bin ich dreihundert Kilometer ans Spiel gefahren und muss nochmals dreihundert zurück und dann das? Muss ich mir das gefallen lassen, war's das? Da bist du auf der Heimfahrt schon manchmal frustriert, wie sie mit dir auf dem Platz umgehen.“ Doch er meint auch, dass er sich auch immer auch wenn die Anschuldigungen noch so laut sind überlegt, wem es schlussendlich schadet, dem Spiel oder ihm selber. Bei seinem Job trage er eine „Panzerweste“!Selten habe er einen unter die warme Dusche geschickt. Und dennoch erhoffe er sich diese Saison noch gösseren Respekt der Spieler vor den Unparteiischen und dass sie wie in der NFL, die Referee Entscheidungen ohne wenn und aber akzeptieren.
„Schlussendlich entscheiden die beiden Mannschaften das Spiel und nicht ich.“ Raymond Foillet meint auch weiter, dass American Football in der Schweiz leider noch nicht den Stellenwert hat, wie im Mutterland Amerika. In den Staaten hätte sich längst der Ehrencodex praktisch für alles entwickelt was mit Spiel und drumherum zu tun hat und sei zum festen Bestandteil der Meisterschaft geworden. Man könne dort das höchste Mass an Fairness und sportlicher Moral erwarten. Man müsse sich aber auch gewiss sein, dass American Football keine Softi Sportart ist und da schon ans Lebendige gegangen würde. American Football sei ganz einfacch eine der härtesten Sportarten. Ein gewisse gesunde Härte sei natürlich immer im Spiel. Was er aber nicht verzeiht ist, wenn Coaches die Spieler zu mehr Härte lautstark auffordern oder Verletzungen am Gegner absichtlich herbeiführen oder mehrere Spieler immer denselben unfair in die Mange nehmen. In der neuen Saison würden auch er und seine Referee – Kollegen härter gegen Unsportlichkeit auf dem Spielfeld durchgreifen.
Die Sporthochschule und ihr formidable Küche - ein Sonntag wie im Bilderbuch
Wer in die Mensa der Sporthochschule in Magglingen zum Essen geht, trifft hier so jeden weltbekannten Sportler aus dem Schweizer Lager, den es zu sehen gibt. Ebenso bekannt wie die anwesenden Sportler ist die Küche im (alten) Kurhaus von Magglingen. Die Küche serviert nur das Beste vom Besten. Essen wie im Luxushotel – mit Wahl zu Vegi – Fisch – oder Fleich und einem Dessert der im fünfsterne Hotel nicht besser sein könnte. Das Essen schliesst sich dem tollen Ausbildungsprogramm an, dass man hoch über dem Bieler Seeland geniessen kann und fast würde man die beiden Referees und Übungsleiter fragen: „Sind jetzt diese Ausbildungstage jedes Wochenende bis zum Beginn der Saison?“
Noch eine Lektion am Nachmittag, dann mit allen zum „Pausentee“ das Gruppenfoto – Tschüss auf Wiedersehen und Tschau. Mit einem gewissen Stolz gehe ich Richtung Parkplatz, den ich weiss als einer der Wenigen im Schweizer American Football, was wirklich an Können in den Referees auf den Schweizer American Footballplätzen steckt.
Marcel Krebs
Leserkommentare (9) »

Schiedsrichter Obmann des Schweizerischen American Football Verbandes Raymon Fouillet.

Links Michel Strähl überzeugender Kommunikator im Schiri Lehrgang.

Jeder auf......

seine Art.



